Reisebericht von Fritzi – Liegnitz (Polen) 2003

Legnica2003Nun war der Tag gekommen. Die Big Band der Bergischen Musikschule fährt über ein verlängertes Wochenende in die Partnerstadt nach Polen, um genau zu sein, nach Liegnitz. Für die meisten Mitglieder war es die erste Reise mit der Big Band nach Liegnitz. Große Erwartungen gab es nicht, nur großes Bangen über die Unterkunft. Wird sie besser sein als vom Jahr 98?

Freitag:
Nach 12 stündiger Fahrt (3 Pausen enthalten in denen Fußball gespielt wurde und 2 Stunden Zollaufenthalt ohne großen Grund) kamen wir beim „getarnten“ Frühstückssaal an, wo es wieder feste Nahrung und warme Getränke gab. Weiter ging es zur nah gelegenen Unterkunft. Wir trauten unseren Augen nicht. Konnte dort schon jemand wohnen? Wände standen, Fenster waren eingebaut und in letzter Sekunde die ersten Fließen gelegt und gewischt (sie waren noch nass), damit man keine staubigen Schuhe bekam. Schnell hatten einige von uns weiße Jacken, da außer Putz noch nichts an der Wand war. Die Zimmeraufteilung war schnell geregelt. Die Männer kamen in den „Schlafsaal“ mit PVC Boden, Bettwäsche nach Mottenkugeln riechend und klappbarem Stahlbett. War Bundeswehr dagegen nicht Luxus? Die Frauen teilten sich untereinander die besseren Zimmer mit richtigen Betten in den oberen Stockwerken. Schnell wurde bekannt, dass nur eine Dusche (undicht) und zwei Toilletten vorhanden waren.
Nach einem Nickerchen oder einem Stadtrundgang ging es um 14 Uhr zum Mittagessen und anschließend zur Probe im Konzerthaus. Nachdem die Probe beendet war, schauten wir uns die Akademie an, mit anschließendem Abendessen.
Darauf folgte ein kleiner Spieleabend oder ein Kneipenbesuch mit Nominierungen zu Mr. Kotzlowski. Gegen 23 Uhr traf man sich im Treppenhaus unseres Luxushotels zu weiteren Gesprächen und Spielen im Flur.

Samstag:
Die geplante Stadtbesichtigung nach dem Frühstück musste unter einer zweiten Probe leiden. Die Stadt durfte auf den Spaziergängen zwischen Probesaal und Essensraum besichtigt werden. Nach einer Stunde Pause im trauten Heim ging es zum ersten Konzert ins Kulturhaus. Da unser Busfahrer noch Pause brachte, wurden wir mit privat PKW ’s dort hingebracht, was gut organisiert war. Das Konzert war ein voller Erfolg, das Publikum wippte mit, schnipste zu Summertime und gab uns Standing Ovations. Der Bürgermeister von Wuppertal, Herr Kremendahl war auch da, aber nur bis wir anfingen zu spielen.
Nach dem Konzert ging es zum Abendessen und weiter zum zweiten Konzert, welches bei schönem Wetter draußen stattfinden sollte, was es auch tat. Es waren ungefähr null Grad. Das Publikum füllte sich, sowohl an Menschen wie auch an Alkohol und Essen. Das Publikum tanzte fleißig mit, bis es sich nach dem 2. Set wegen der Kälte verzogen hat.
Wir packten schnell unsere Sachen zusammen, gaben noch schnell Autogramme, tranken warmes Bier und teilten uns heiße Würstchen. Anschließend ging es auf eine gemütliche Runde in die Kneipe.

Sonntag:
Heute hieß es früh aufstehen, es ging nach Breslau. Dort ließen wir uns noch mal den Krieg zwischen Russland und Polen auf 120m Breite und 15m Höhe vor Augen und Ohren führen. Der Geschichtsunterricht war damit wieder aufgeholt, also ging es zum gemütlichen Teil über, Stadtbummel /Besichtigung der Stadt und des Einkaufszentrum. Gegen 12 Uhr hörten wir einem Trompeter von der Kirchturmspitze zu. Gegen 14 Uhr hieß es Treffen zur Abfahrt, was nicht ganz klappte. Viele mussten auf Toilette: eine Etage runter, gerade aus, auf der linken Seite. Nachdem alle entleert waren ging es weiter zu unserem nächsten Konzert in Jawor. Auf dem Hinweg besichtigten wir innerhalb 15 sec., im Dunkeln, die Friedenskirche (wir fuhren daran vorbei, keine Zeit). Im Konzertsaal mussten wir erst mal einen Vogel befreien, wir wollten doch nicht, dass er unsere Noten „verunreinigt.“

Das Konzert war nicht so der Renner, wenig Publikum, jeder hatte sein Instrument zwar gestimmt, aber nicht nach dem Klavier. Nach dem Schlusslied folgte schnell die Abfahrt zur Abschlussfeier im getarnten Saal, Essen und Live – Band standen bereit. Nach dem Essen ging es Tanz auf Tanz, selbst der Chef legte ein heißes Tänzchen aufs Packet (wie war der Tanzschritt noch mal?)
Gegen 24 Uhr ging es ins „Hotel“ zurück, wo wichtige Gespräche bis tief in die Nacht im „bequemen“ Hausflur besprochen wurden. In diesen Gesprächen lag die Zukunft der Big Band, die es hoffentlich noch lange gibt.

Montag:
Was, schon Montag? Die Wahrheit kam ans Licht, wir mussten wieder nach Hause fahren, wo wir so ein gutes eingespieltes Team geworden sind. Die Rückfahrt verlief ohne weitere Probleme, der Zollbeamte, der das Schloss des Zaunes öffnen konnte, welches uns den Weg zur Weiterfahrt versperrte, war schnell gefunden. Während der Fahrt wurde Skat oder Doppelkopf gezockt, Fernsehen geguckt und in den Pausen wieder für die müden Glieder Fußball gespielt.
Wir kamen mit zwei Minuten Verspätung von der Autobahn nach Wuppertal herunter, wovon der Busfahrer bis zur Musikschule mindestens eine Minute wieder gut machte, damit keiner auf uns warten musste.

Bis zur nächsten Fahrt!